Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Zug auf dem Weg in die Alpen. Es ist das Saisonende der Snowboard-Saison in Deutschland. Nur noch die Zugspitze und das Nebelhorn haben ihre Lifte geöffnet.

Aber nachdem es in den letzten Tagen noch einmal etwas frischen Schnee gab und das Wetter reichlich Sonne verspricht, habe ich mich ein letztes Mal für diesen Winter auf den Weg in die Berge gemacht. Mit dem Zug fuhr ich von Heidelberg über Stuttgart und Ulm nach Oberstdorf.
Um mich herum im Zug sitzen Dutzende Menschen, jeder in seiner eigenen kleinen Welt. Mit Kopfhörern ausgestattet und den Blick auf das Handy gerichtet, konsumieren sie das digitale Leben. Ein gewöhnlicher Anblick, aber auch ein merkwürdiger, etwas unheimlicher Anblick.
Kurzes Glück im Algorithmus
Sei es Instagram, YouTube oder TikTok – wer kennt es nicht? Man begibt sich auf die Suche nach einer Antwort oder möchte etwas teilen, und plötzlich zeigen uns die Algorithmen ein Video nach dem anderen.
Der Finger wischt über den Bildschirm, und das Gehirn schaltet ab. Es gerät in einen Tunnel und wird in die Plattform hineingezogen, weg von der Realität hin zur digitalen Welt. Gut und gerne zwei Stunden kann es dauern, bevor das Gehirn vor Erschöpfung aufgibt. Übrig bleibt eine gewisse Leere.
Bisher konnte ich zumindest keine positiven Auswirkungen feststellen. Ich empfinde nur Leere und ein leicht schwummriges, wie vernebeltes Gefühl im Geist. Einzig während des Tunnels erlebe ich diesen kleinen, immer wiederkehrenden Kick von Dopamin. Es ist ein kurzes Glück, wenn die Algorithmen der Apps den nächsten, irgendwie spannenden Beitrag anzeigen.
Und die Gedanken sind leer…
Es gibt praktisch kaum etwas aus dem Meer der Algorithmen, an das ich mich erinnern kann. Ich befürchte, dass es nicht an meinem Gedächtnis liegt, sondern an der Sache selbst. So schnell, wie die Aufmerksamkeit kommt, so schnell geht sie auch wieder.
Die Antwort und Lösung aller Probleme
Mittlerweile sitze ich auf einem Stuhl in der Sonne, neben mir ein Milchkaffee, und die Antwort auf diese Probleme ist eigentlich ganz einfach: Lege dein Handy häufiger weg – insbesondere am Anfang des Falls in den Tunnel, wenn dein Gehirn noch eine gewisse Widerstandskraft besitzt. Eine Antwort, die viel leichter gesagt (oder geschrieben) als umgesetzt ist.
Ein paar mehr Hintergründe zum Algorithmus, um ihm mental effektiver widerstehen zu können, sind hilfreich. Dafür müssen wir uns im Kopf behalten, was das Ziel aller Algorithmen ist: Aufmerksamkeit und Zeit.
Sie zeigen dir Dinge an, die dich interessieren oder zumindest deine Aufmerksamkeit binden, damit du mehr Zeit auf der Plattform verbringst. Denn deine Zeit auf der Plattform ist für die Betreiber Geld wert. Eine Social-Media-Plattform verdient in der Regel dadurch Geld, dass sie die Zeit der Nutzer – deine Zeit – an die eigentlichen Kunden, die Werbepartner, verkauft.
Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie
Die meisten Produkte und Dienstleistungen können wir als Kunden aus unterschiedlichsten Quellen in ähnlicher Qualität beziehen – zumindest theoretisch. Aber am Ende des Tages kaufen wir dort, wo unsere Aufmerksamkeit hin geführt wird.
Ohne jetzt tiefer in die Thematik einzusteigen, wird klar: Unsere Aufmerksamkeit bzw. die Aufmerksamkeit von Menschen ist eines der wertvollsten Güter des digitalen Zeitalters. Der Wettbewerb um sie ist dementsprechend hart.
Weg vom Handy, rein ins Leben
Mir hilft es, zu planen und spannende Termine zu haben. Die geplanten Abenteuer und Erlebnisse sorgen dafür, dass ich in der realen Welt beschäftigt bin und das Smartphone maximal zur Dokumentation nutze.
Am schlimmsten schlagen die Algorithmen zu, wenn ich alleine bin, keine Arbeit und nichts Spannendes geplant ist. Indem ich Tag für Tag versuche, ein tolles Leben zu planen, hat das Handy weniger Chancen, mich vom Leben wegzuführen.